"Hier! Eine Wasserader!"
BerührungsPunkte unterwegs mit einem Wünschelrutengänger
"Hier! Hier ist was!" Rainer Padligur geht mit merkwürdig versetzten Schritten über den uralten Friedhof der Petrikirche in Dortmund. Immer, wenn die Wünschelrute in seiner Hand ausschlägt, wird die Energielinie, die sich hier durchs Gelände zieht, sichtbar. Zumindest: für ihn fühlbar. Für Padligur ist klar: Die Kirche ist auf zwei starken geomantischen Linien aufgebaut. Stellt sich die Frage, ob alle Gebäude nach solchen Prinzipien gebaut werden sollten.
Schon viele Jahre beschäftigt sich Rainer Padligur mit der Kunst des Wünschelrutengehens. Die Rute ist übrigens nicht aus Holz, wie der Laie meint, sondern in diesem Fall aus Kunststoff. Das ist deshalb kein Problem, weil die Rute selbst mit dem Erspüren von Wasseradern oder Kraftlinien gar nichts zu tun hat. Sie ist lediglich das, was der Zeiger einer Uhr ist: ein Instrument, um das Eigentliche sichtbar zu machen. Das Eigentliche ist die Reaktion von Rainer Padligurs Handgelenk. Es sackt gewissermaßen kurzzeitig ab, wenn es einer "schlechten" Energie ausgesetzt ist. Die Wünschelrute selbst zeigt also die Reaktion des Handgelenks an, deshalb soll sie biegsam und flexibel sein. Holzruten seien zwar schön, sagt der Rutengänger, aber man muss sie stets frisch schneiden, sonst vertrocknen und verhärten sie.
Nach dem gleichen Prinzip der spürbar wegsackenden Energie funktionieren kineasologische Untersuchungen in der Medizin – auch dort als Erhebungsinstrument oft belächelt, für die, die daran glauben, eine funktionierende Methode. Dieses Erfühlen, sagen die Anhänger, funktioniert im menschlichen Körper ebenso wie in der Landschaft. Im Raum nennt man es dann Geomantie.
Geomantie: Erfühlen "guter" Orte
Geomantie nennt man dieses "Erspüren der unsichtbaren Kräfte der Welt" – ist das Lesen von Erdphänomenen in der Natur und in der Landschaft. Menschen aus allen früheren Zeitepochen, sagt Padligur, hätten kraftvolle Orte gekannt und dort Bauwerke geschaffen. An Orten der Kraft, in den Formen der Landschaft und an heiligen Plätzen. Die Petrikirche in Dortmund sei ein Beispiel hierfür. Während Padligur durch den angrenzenden Friedhof "wünschelt", zeigt sich an seinem sich so ergebenden Gehweg die Kraftlinie. Nach Ansicht der esoterischen Geomantie ist die ganze Erde mit globalen Gitternetzsystemen (sogenannten Ley-Linien) überzogen. Diesen Gitter- und Liniensystem werden energetische Eigenschaften und damit biologische Wirkungen zugesprochen. Doppelblinden Überprüfungen der Wissenschaft nach sind die Vorstellungen der Geomantie zu den von ihr postulierten Energien allerdings bisher nicht haltbar.
Artverwandt mit Feng Shui
Rainer Padligur übt sich im Erkennen und Erspüren von guten Plätzen in Raum und Landschaft, die dann die Grundlage für ein harmonisches und gesundes Wohnen und Leben bilden können. Baubiologisches Wissen mit der Gestaltung von Räumen zu vereinen, den guten Ort zu erkennen – bzw. zu erspüren – und mit den Menschen in Einklang zu bringen. Damit ähnelt die Geomantie dem Feng Shui der Chinesen. Padligur vereint beide Methoden problemlos miteinander und arbeitet auch mit der klassischen Feng Shui Scheibe. Das klassische Feng Shui ist so etwas wie eine Formenschule. Dabei geht es um die optimale Auswahl eines Bauplatzes, der durch die natürliche Landschaftsformation geschützt ist. Feng-Shui geht davon aus, dass die Erdkräfte in Form von Qi immer und unabhängig vom Menschen wirken. Der Mensch könne diese allerdings erkennen und nutzen. Obwohl Feng Shui im kommunistischen China verdrängt und verboten wurde, lebt es in den Köpfen der Chinesen weiter. Man hört von westlichen Architekten immer wieder, dass beim Bauen in China die Gesetze des Feng Shui beachtet werden müssten – besser also, man kennt sie, wenn man in China Erfolg haben will.
Wasseradern sind mit Rute erkennbar
Ob man dran glaubt oder nicht: Wasseradern kann Rainer Padligur sehr gut mithilfe der Wünschelrute erkennen. Auch früher schon habe man Wasseradern genau auf diese Art und Weise entdeckt, als es eben noch keine wissenschaftlichen Instrumente gab, mit denen man präzise den Ort bestimmen kann, wo es sich lohnt, im Fels nach Wasser zu graben. Einen solchen Brunnen aus alten Tagen gibt es an der Hohensyburg in Dortmund. Der Westfalenpark Dortmund beauftragte Padligur bereits, mit der Wünschelrute den Ort für einen neuen Brunnen zu bestimmen – das gute Ergebnis begeisterte so, dass er gleich zwei weitere Brunnenstandorte im Park angeben sollte. Die Vorteile der esoterischen Landschaftsbetrachtung lassen sich vielseitig nutzen, das erkennen inzwischen auch Projektentwickler. Nachdem er für die Landesgartenschau Bad Oldeslohe einen Feng Shui Garten angelegt hatte (den man heute noch besichtigen kann), wurde Padligur zusammen mit einer Stadtplanerin vom Dortmunder Stadtentwicklungsamt beauftragt, eine ganze Einfamilienhaussiedlung nach Feng Shui Prinzipien anzulegen. Dort werden sich die Wege in organischen Formen durch die Siedlung ziehen – Feng Shui verkauft sich ganz gut.


