Orange macht hungrig
Was unsere Lieblingsfarbe über uns aussagt
Max Lüscher ist Begründer der wissenschaftlichen Farbpsychologie und wurde mit seinen psychologischen Farbtests weltberühmt. Er wohnt in Luzern, der wohl schönsten Stadt der Schweiz und gibt uns einen kleinen Einblick in seine Gedankenwelt.
Herr Professor, Sie werden bald 85 Jahre alt. Welche Lieblingsfarbe
haben Sie heute?
Gelb dominiert, aber der Rot-Ton Magenta und Blau sind auch sehr
vertraut.
Wechseln wir zu Häusern. Ist die Farbgebung in den letzten
20 Jahren besser oder schlechter geworden?
Sie ist viel besser geworden! Die Zeit, da alles grau sein musste, ist
vorbei. Ebenfalls hinter uns liegt die Ära, als Architekten – wie auch
noch Corbusier – mit undifferenzierten grellen Farben gegen das
allgegenwärtige Grau kämpften. Heute sieht man viele, erfreulich
feinfühlig abgestimmte Farbkombinationen und viele Hausfassaden,
die bewusst in die Umgebung integriert sind
Was ärgert Sie, wenn die Farbharmonie nicht stimmt?
Es gibt tatsächlich immer noch Architekten oder Farbgestalter, die
ihre Gebäude mit provozierender Rücksichtslosigkeit hervorheben,
indem sie sie mit einer grellen Farbe versehen. Das Unangenehme
ist, dass diese Rüpelhaftigkeit über Jahre, ja Jahrzehnte ertragen
werden muss. Eine schiefe Fassade wäre unerträglich; eine schiefe
Farbgestaltung hingegen müssen wir ertragen.
Welchen Stellenwert geben Sie der Farbe am Bau?
Vielfach wird übersehen, dass die Farbe stärker wirkt als die Form.
Farbe soll die Form der Architektur unterstützen. Auf der anderen
Seite kann sie die Architektur gründlich verderben. Für beides gibt
es unzählige Beispiele.
Wie findet man die passende Farbe fürs Haus?
Die Farbe soll die formale Architektur unterstützen und sich gut in
die Umgebung integrieren.
Bedeutet eine weiße Fassade letztlich Mutlosigkeit?
Nein, sofern man weiß, was die weiße Farbe bewirkt und was man
mit ihr beabsichtigt.
Baubehörden verhindern oft eine freie Entscheidung.
Was raten Sie?
Entscheidungen sollten nie frei sein, sondern die erwähnten Bedingungen
erfüllen. Offensichtlich sind dazu die Baubehörden meist
noch weniger fähig als manche Architekten.
Interview: Sandra Hoffmann
Orange, warum? Bei Pflanzen kommt Orange weniger häufig vor als bei Tieren und hier meist wie beim Pavian, um Aufmerksamkeit und Attraktivität zu erzeugen und die Geschlechtsteile zu markieren.
Der algerische Forscher Benoît bestrahlte junge Erpel für 120 Stunden mit orangerotem Licht. Einer anderen Gruppe von jungen Erpeln verband er die Augen, damit sie das Licht nicht sahen. Das Resultat war, dass sich die Geschlechtsdrüsen (Gonaden) der mit Orange bestrahlten Erpel fast bis zum doppelten Umfang vergrößerten. Warum spricht man vom Rotlichtmilieu und nicht von einem Blauoder Grünlichtmilieu? Weil nur die Farbe Rot und am allermeisten Orange, einen Zustand der Erregung bewirkt. Das gelbliche Orange- Rot erzeugt unter allen Farben den höchst möglichen Grad an Erregung (Stimulation). Messungen mit dem Lüscher-Farbtest haben bestätigt, dass beim Betrachten des Orange-Rot die Atmung und der Puls rascher werden, und dass der Blutdruck ansteigt. Außerdem wird Orange in dem weitesten Winkel vom Auge wahrgenommen.
Was bedeutet Orange?
Orange-Rot repräsentiert vitale Stärke. Sie äußert sich als Aktivität in all ihren Erscheinungsformen. Die treffendsten Begriffe für die Wirkung von Orange-Rot heißen "Herausforderung, Aktivität, Wie findet man die passende Farbe fürs Haus? Die Farbe soll die formale Architektur unterstützen und sich gut in die Umgebung integrieren. Bedeutet eine weiße Fassade letztlich Mutlosigkeit? Nein, sofern man weiß, was die weiße Farbe bewirkt und was man mit ihr beabsichtigt. Baubehörden verhindern oft eine freie Entscheidung. Was raten Sie? Entscheidungen sollten nie frei sein, sondern die erwähnten Bedingungen erfüllen. Offensichtlich sind dazu die Baubehörden meist noch weniger fähig als manche Architekten.
Interview: Sandra Hoffmann
Orange, warum? Bei Pflanzen kommt Orange weniger häufig vor als bei Tieren und hier meist wie beim Pavian, um Aufmerksamkeit und Attraktivität zu erzeugen und die Geschlechtsteile zu markieren.
Der algerische Forscher Benoît bestrahlte junge Erpel für 120 Stunden mit orangerotem Licht. Einer anderen Gruppe von jungen Erpeln verband er die Augen, damit sie das Licht nicht sahen. Das Resultat war, dass sich die Geschlechtsdrüsen (Gonaden) der mit Orange bestrahlten Erpel fast bis zum doppelten Umfang vergrößerten. Warum spricht man vom Rotlichtmilieu und nicht von einem Blauoder Grünlichtmilieu? Weil nur die Farbe Rot und am allermeisten Orange, einen Zustand der Erregung bewirkt. Das gelbliche Orange- Rot erzeugt unter allen Farben den höchst möglichen Grad an Erregung (Stimulation). Messungen mit dem Lüscher-Farbtest haben bestätigt, dass beim Betrachten des Orange-Rot die Atmung und der Puls rascher werden, und dass der Blutdruck ansteigt. Außerdem wird Orange in dem weitesten Winkel vom Auge wahrgenommen.
Was bedeutet Orange?
Orange-Rot repräsentiert vitale Stärke. Sie äußert sich als Aktivität
in all ihren Erscheinungsformen. Die treffendsten Begriffe für
die Wirkung von Orange-Rot heißen "Herausforderung, Aktivität,Begehren, Appetit". Die Herausforderung kann sich auf sexuelles
Begehren und Erobern, auf Leistungssport und vieles andere beziehen.
Die Aktivität des Orange-Rot äußert sich in der Freude etwas zu
unternehmen und in der Lust etwas zu erleben. Das Begehren, der
Appetit zeigt sich natürlich auch beim Essen. Die Krankheit vieler
Mädchen, nichts zu essen, die Anorexie ist auch in der Farbwahl zu
erkennen: Sie lehnen Orange ab.
Umgekehrt tragen Frauen die lebhaft und unternehmungslustig
und besonders, wenn sie erlebnisfreudig sind, gerne rote Kleider.
Hier muss man aber genau hinsehen. Rot ist ein Sammelbegriff für
viele unterschiedliche Töne. Sie unterscheiden sich nicht nur im
Aussehen, sondern haben auch eine radikal andere Bedeutung. Man
weiß im Allgemeinen nicht, dass ein gelbrotes Orange etwas radikal
anderes bedeutet als ein reines Rot oder gar ein Rot, das einen
leichten Blauton hat. Nur die exakte Farbpsychologie kennt diesen
Unterschied. Ein bräunliches Rot beispielsweise wirkt beruhigend
und ist das genaue Gegenteil zum aufreizenden Orange. Orange wirkt
dann vulgär, wenn es an einem Ort verwendet wird, wo Vornehmheit
und Würde angemessen ist. Darum soll der rote Vorhang im Theater
niemals orange sein. Wird Orange-Rot im Übermaß verwendet, ist
die Aktivität übersteigert. Dann bedeutet Orange: Provokation und
Aggression. Daher ist die Fahne der Revolution orangerot.
Orange im öffentlichen Verkehr
Anders hingegen ist die Verwendung von Orange im öffentlichen Verkehr. Dort ist es zweckmäßig, um eine starke Aufmerksamkeit zu erreichen. Das ist besonders dort der Fall, wo mit der Farbe Orange die Aufmerksamkeit auf eine Gefahr gelenkt wird. Für Menschen, die auf einer befahrenen Straße arbeiten oder für Menschen, die in einer gefährlichen Umgebung tätig sind und möglichst stark auffallen sollen, ist eine orange Bekleidung erforderlich. Sie schützt davor, übersehen zu werden. Farben werden von allen gleich wahrgenommen
Farben werden universell, von allen Menschen auf der ganzen Welt
genau gleich wahrgenommen und empfunden. Unterschiedlich ist
nur, dass der eine die bestimmte Farbe sympathisch und ein anderer
dieselbe Farbe unsympathisch findet. Orange wird universell optisch,
physiologisch und psychologisch als erregend, als stimulierend wahrgenommen.
Wer Orange sieht, empfindet im gleichen Bruchteil einer
Sekunde Erregung. Er erlebt erhöhte Aufmerksamkeit. Er ist auf eine
Gefahr gefasst.
Dem entsprechend hat Orange auch eine zeitliche Bedeutung. Der
Zeitbegriff für Orange-Rot heißt: Präsenz. Das bedeutet, jetzt hier
gegenwärtig. Im Gegensatz dazu bedeutet das dunkle Blau ruhig
verweilen. Daher der Ausdruck: "Blau machen."
Die Verwendung der Farben ist keine dekorative Spielerei. Farben sind eine genaue emotionale Sprache. Sie wird universell und spontan verstanden. Man kann ihr auch nicht ausweichen, denn auch Grau, auch Schwarz und Weiß haben ihre genau bestimmte Wirkung. Aus Unkenntnis der exakten Farbpsychologie werden Farben nicht selten falsch angewandt. Das wirkt sich besonders bei der Gestaltung von Produkten, von Verpackungen, von Innenräumen verheerend aus. Umgekehrt hat das einen oft erstaunlichen Erfolg, was dem Zweck entsprechend farblich richtig gestaltet ist, z. B. Orange, um Aufmerksamkeit zu erwecken.
Prof. Dr. Max Lüscher wurde 1923 in Basel geboren. Er studierte Philosophie, Psychiatrie und Psychologie. 1947 erläuterte er am ersten Weltkongress der Psychologie in Lausanne seine Farbdiagnostik und wurde damit zum Begründer des heute weltweit anerkannten, wissenschaftlichen Lüscher-Farbtests. Seine 14 Fachbücher sind in 31 Sprachen übersetzt worden. Darunter auch hebräisch, koreanisch, russisch, japanisch und chinesisch. www.luscher-color.com

