Ü̈ber Statistiken, Hellseherei und die zweite Pubertät
16 schnelle Fragen an den Trendexperten und seine Anworten
1. Was hat Ihre Arbeit mit Hellseherei gemein?
Wie bitte? Nichts!
2. Was hat denn die Menschheit von Ihren Analysen?
Unsere Kunden haben dadurch wirtschaftliche Vorteile.
3. Wer sollte Sie unbedingt mal beauftragen?
Derjenige, der versucht zu begreifen, wie sich die Akzeptanz seiner Produkte oder der Dienstleistungen, die er anbietet, zukünftig in der Gesellschaft verändern werden.
4. "Glaube nur der Statistik, die du selbst gefälscht hast." – Wer erstellt Ihre Statistiken? Da wir in der Statistik auf Analysen
Da wir in der Statistik auf Analysen zurückgreifen, die andere Institute erarbeitet haben, beobachten wir die Widersprüchlichkeit verschiedener Institute und versuchen Statistiken einzusetzen, die nicht für die Zwecke gemacht worden sind, zu denen wir sie nutzen.
5. Was ist an Trends vergänglich, was nachhaltig?
Das was nachhaltig ist, ist vor allem die Beobachtungskonstante. Man muss sich entscheiden, welche Fixpunkte man immer wieder ins Verhältnis setzen möchte, um Veränderungen überhaupt erkennen zu können. Man muss eine Aufzeichnung der Veränderungen machen – alles, was eine langfristige Vorhersage sein will, ist Unsinn.
6. Möchten Sie unseren 25.000 Lesern – die meisten Architekten – gerne etwas Bestimmtes sagen? Haben Sie einen väterlichen oder freundschaftlichen Rat für sie?
Architekten haben immer das Bedürfnis, Künstler zu sein. Manchmal verstellt ihnen dieser Wunsch den Blick auf die Anwendungsorientierung der Aufgaben, die sie zu erfüllen haben.
7. Mögen Sie eigentlich Architekten?
Ich finde Architekten natürlich großartig! (Lacht...)
8. Gibt es ernst zu nehmende Architekturtrends – oder schließen sich Trend und Architektur aus?
Trends sind ja Anpassungsstrategien an sich verändernde Umwelten. Wenn man überlegt, dass der Arbeitsbereich des Architekten von gesellschaftlichen Entwicklungen bestimmt wird ... gibt es sie!
9. Wie sind die Zeitspannen von Trends?
Fünf bis sieben Jahre. Wir unterscheiden zwischen Trends und Moden. Moden sind die Indikationen für Trends, aber Trends sind Strategien – und die brauchen Zeit, um entwickelt zu werden.
10. Es gibt Trends, mit denen Sie sich beschäftigen, und die Modeund Lifestyle-Trends: Gibt's eine Schnittmenge oder bedingen sie sich gar?
Das, was im klassischen Unterhaltungsjargon in den Medien als Trend bezeichnet wird, würde ich als Mode bezeichnen.
11. Die Themen, mit denen Sie sich beschäftigen sind sehr facettenreich. Wie komplex ist Trendforschung?
Es gibt immer Trend und Gegentrend und nach unserer Arbeitsweise drei Raster von Trends: die Gesellschaftstrends und die Konsumententrends und die Branchentrends, also wie sich Unternehmen dazu verhalten, dass Konsumenten Sehnsüchte und Ängste haben, die auf gesellschaftlichen Trends basieren. Das ist so ein Schachtelprinzip, in dem Sie immer kleinere Interpretationen derselben Phänomene haben.
12. Ist Peter Wippermann das lebendige Beispiel für sozialen Wandel?
Auf jeden Fall ! Wenn man in meinem Alter noch eine so junge Tochter hat, dann ist das der Ausdruck einer Bewegung, an der wir beobachten können, dass die Leute (Männer?) um die 50 noch mal versuchen, das Leben neu zu gestalten – ich nenne das salopp die zweite Pubertät und das ist sicher mehrheitsfähig in Zukunft.
13. Ist die Patchworkfamilie ein Trend oder eine Krankheit?
Das ist eine vom Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland vertretene Familienform.
14. Wann wird ein Trend zu einer Epoche oder einem Zyklus?
So etwas können nur die nachfolgenden Generationen bestimmen.
15. Gibt's einen Witz über Trendforscher?
(Genervt...) Tausende, ich vergesse sie aber immer, weil sie mich nicht interessieren.
16. Möchten Sie zum Schluss auch eine Frage stellen?
Eigentlich nicht – ich hoffe Ihr Aufnahmegerät hat funktioniert!