Online – Offline
Drei Arbeiten des Künstlers Aram Bartholl
"Bin ich schon drin?" Dieser zum geflügelten Wort gewordene Werbeslogan ist längst überholt. Man ist nicht "schon drin" – man ist "nie draußen". Das digitale Zeitalter bestimmt unsere Gewohnheiten, die Art, wie wir uns Orte erschließen, wie wir mit Bildern, Daten und (privaten) Informationen umgehen. Der Medienkünstler Aram Bartholl untersucht in seinen Arbeiten – Installationen, Workshops und Performances – die Wechselbeziehung der
On- und Offline-Alltagskultur.
Aram Bartholl thematisiert die technologisch getriebene Gesellschaft und das Spannungsverhältnis zwischen öffentlichem und privatem Raum. Dabei nutzt er den öffentlichen Raum als Schauplatz. In der Ära von Google, Facebook, Twitter und Co. erforscht Bartholl mit der Dynamik der Gruppenarbeit die Offlinewelt der Stadt.
Dead Drops: tote Briefkästen für alle
Ein "Dead Drop" heißt im Deutschen toter Briefkasten und ist ein Versteck, das der Übermittlung von Geheimnachrichten dient. Das im Oktober 2010 durch den Künstler Aram Bartholl initiierte Projekt "Dead Drops" basiert auf dem gleichen Prinzip: Bartholl mauerte USB-Sticks in Fassaden oder befestigte sie an fest stehenden Objekten im öffentlichen Raum. Auf jedem Stick befindet sich ein Dokument, das zur Nachahmung und zum Hinterlegen von Daten auffordert. Jeder ist eingeladen, sein Laptop anzudocken, Daten abzurufen oder auf den Stick zu laden. Die Installationen wurden fotografiert und unter Angabe der Position auf der Webseite deaddrops.com aufgelistet. Das Kunstprojekt möchte die Ablehnung der Kontrolle von Daten- und Informationsaustausch zum Ausdruck bringen. Das Projekt fand schnell viele Teilnehmer, die anhand der von Bartholl online zur Verfügung gestellten Beschreibung eigene "Dead Drops" installierten und ins Netz stellten. Im Februar 2011 verzeichnete die Projektseite weltweit 188, im März 2011 bereits 297 "Dead Drops" mit einer Gesamtkapazität von etwa 858 GB.
Wo ist das Stadtzentrum?
Die öffentliche Installation "Map" wurde in den Jahren 2006–2010 an verschiedenen Orten präsentiert. Der aus Holz in den Maßen 600 x 350 x 35 cm gefertigte Google-Maps-Pin stellt den virtuellen Pin infrage. Der hölzerne Pin wurde immer genau dort aufgestellt, wo sich laut Google Maps das Stadtzentrum befindet. Die Diskrepanz zwischen digitalem Raum und tatsächlichem täglichem Stadtleben wird offenbar. Ein Beispiel dafür, wie unsere Wahrnehmung von Städten zunehmend durch Geolokationsdienste beeinflusst wird.
Private Identität im öffentlichen Raum
Täglich verbringen Millionen Menschen ihre Zeit in Onlinewelten und bauen soziale Netzwerke auf – selbst wenn sie sich physisch nie begegnen, verbindet diese Gruppen von Menschen beispielsweise der Erfolg bei einem Onlinespiel. Wenngleich solche Erfahrungen "nur" im Reich der Virtualität stattfinden, werden sie doch Erinnerungen, die in den Gesamterfahrungsschatz der jeweiligen Person mit einfließen. Im Internet wird die reale Person durch einen Avatar vertreten, über dessen Kopf permanent sein sogenannter "Nickname" (Spitzname) zu sehen ist. Eine klare Kennzeichnung, die Anonymität für den Avatar unmöglich macht. Das Projekt "WoW" ist Workshop und Intervention im öffentlichen Raum und soll auf die Veränderungen aufmerksam machen, die sich in Bezug auf Privatheit und Identität im öffentlichen Raum Bahn brechen. Die Veröffentlichung von Namen, die für Online-3-D-Spiele typisch ist, wird in den realen Alltag übertragen: Die Teilnehmer des Workshops kreieren ihren Namen aus Pappe und bewegen sich dann in der Öffentlichkeit mit ihrem Namen, der über ihren Köpfen schwebt. Sie erfahren, was passiert, wenn die gewohnte Anonymität in der Öffentlichkeit nicht mehr gegeben ist.
Bildrechte: © Aram Bartholl







