Summerlin
Vertraute Ordnung hinter Mauern
Der Traum von der idealen Stadt. Keine Gewalt, keine Drogen, nichts Unberechenbares. Im menschenfeindlich heißen Klima am Rande von Las Vegas baut die Howard Hughes Corporation die Reißbrettstadt Summerlin, hinter Mauern einheitlich durchgestylt und in Dorfidyllen parzelliert.
Zynismus, Werteverfall, Gewalt: Viele Amerikaner retten sich in Inselwelten, in denen ein einziger Developer den Ton angibt. Masterplanned Communities machen mittlerweile den größten Teil neuer Wohnsiedlungen in den USA aus. In Summerlin will man nichts mit dem anderen zu tun haben. In »The Canyons« wohnen reiche Golfspieler, in »Siena« aktive Erwachsene über 55, in »Pueblo Village« Familien. Je differenzierter die Bevölkerung auf die einzelnen Dörfer verteilt ist, desto näher kommt man dem Ideal der Ungestörtheit. »Die Spontaneität ist weg«, erklärt Chuck Kubat, Vizepräsident für Planung und Design, »aber dafür sind sie sicher vor Leuten, die sich mies benehmen, und sie haben die Garantie, dass neben ihrem Haus nicht plötzlich etwas Schreckliches gebaut wird.«
Nächtlicher Lärm, größere Haustiere und Grillen im Garten sind verboten. Im Vorgarten sind nur Wüstenpflanzen und zweiwöchig zu schneidender Rasen erlaubt. Wer den Nachbarn beim Übertreten dieser und 100 anderer Regeln erwischt, ist zur Denunziation verpflichtet.
Für Morde und Einbrüche ist die Polizei von Las Vegas zuständig. Doch die falsche Farbe des Garagentors, auf der Straße geparkte Autos, Müll, der länger vor dem Haus steht: Diese Vergehen verfolgt die Ordungstruppe von Summerlin selbst. Es drohen Bußgelder und Ausschluss aus der Community.
Die Howard Hughes Corporation baut Straßen und unterhält Schwimmbäder, organisiert die Müllabfuhr und die Stromversorgung, betreibt Schulen und Krankenhäuser, vergibt Restaurantlizenzen und stattet Bibliotheken aus, organisiert Sommercamps und Grillparties.

















