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Den Maßstab der Kinder entdecken

Erweiterung einer Kindertagesstätte in Berlin-Reinickendorf

Wie kann man für Kinder bauen? Wie kann es gelingen, die Proportionen eines Gebäudes wieder mit den Augen eines Kindes zu erleben? In Berlin- Reinickendorf ist ein ausgefallenes Beispiel eines solchen Kindermaßstabs zu sehen.

Der 1998 fertiggestellte Erweiterungsbau der Kindertagesstätte Letteallee komplettiert den bestehenden Altbau zum städtebaulichen Ensemble. Hochwertige Außenräume geben dem funktionalen Bau Qualität. Auch bei den Details wurde Wert auf Qualität gelegt: FSB-Drückergarnituren entsprechen sowohl dem ästhetischen als auch dem praktischen Anspruch der Architekten.

Wie erleben Kinder die Umgebung?

»Bei unserem Entwurf sind wir sehr stark vom Städtebau ausgegangen«, meint Architektin Rebecca Chestnutt vom Büro Chestnutt und Niess, Berlin. Die Architekten überlegten sich, wie die städtebauliche Situation der Kita wohl aus Kindersicht empfunden wird. Aus diesem Ansatz heraus entstand vor dem Gebäude ein städtischer Platz, der von dem denkmalgeschützten Pfarrhaus und dem Neubau an drei Seiten umschlossen wird. Mit den Proportionen dieses Außenraums hofft Architektin Chestnutt, den »Kindermaßstab« getroffen zu haben. Das Gebäude ist für sie ein eher funktionalpraktischer Entwurf, der großen Wert auf die Integration des Außenraums legt: An der rückwärtigen Sonnenseite liegt ein Garten, an dem die Gruppenräume orientiert sind. Kleine »Häuser im Haus« entstehen durch die Anordnung der Gruppenräume, in denen die Kinder die meiste Zeit des Tages verbringen. Positive Rückmeldung zum Raumangebot gibt es auch von den Erzieherinnen, die Räume werden als schön, hell und kinderfreundlich empfunden. Und es gibt nicht wenige Eltern, die diese KITA wegen ihrer besonderen Architektur auswählen. Zwischen den Gruppenräumen gibt es Schiebetüren, durch die einzelne Räume miteinander verbunden werden können. Spielerisches Detail: Die Paneele der Schiebetüren sind mit Kreidetafeln beschichtet, denn Architektin Chestnutt findet es wichtig, in das Gebäude Gebrauchsgegenstände für die Kinder zu integrieren. Die Architekten legen zudem großen Wert auf die Auswahl der Materialien. Eine gute Haptik und hochwertige Qualität sind hier ausschlaggebend. Dieser Grundsatz spielte auch bei der Auswahl der Fenster- und Türgriffe eine Rolle: eingebaut wurden Jasper Morrison-Griffe von FSB. Die hohe Ästhetik und angenehme Haptik trafen genau den Anspruch der Architekten.

Huthaken von Jasper Morrison umfunktioniert

Großen Spaß hat Planerin Chestnutt an den Jasper Morrison-Haken, die im Waschbereich eingebaut wurden: Die eigentlich als Huthaken konzipierten Teile sind hier zu Handtuchhaken umfunktioniert. Die geschwungene Form empfindet sie als »voluptuous«, also sinnlich und üppig. Dabei drängen sich gerade Morrisons Arbeiten nie in den Vordergrund, sondern erscheinen schlicht, meisterhaft auf das Wesentliche reduziert. Bei aller Eigenständigkeit wirken sie vertraut - als habe es sie schon immer gegeben. Morrison betont in seinen Arbeiten die Aura des Gebrauchsgegenstands, er möchte, dass der Benutzer seiner Produkte den Gegenstand sofort als vertrauenswürdig empfindet. Das scheint auch in der Kita Reinickendorf gut zu funktionieren. Bauen für Kinder heißt aber auch, schöne Ideen langfristig haltbar umzusetzen. Die Kindergartenleitung engagierte sich leidenschaftlich, um Handfestes durchzusetzen. Zum Beispiel: Westerntüren sind zwar hübsch, müssen in einer Kita aber sicher verankert sein, wie die Spielgeräte auf dem Außengelände. Oder: Das eingebaute Industrieparkett hält den alltäglichen Strapazen nicht so gut stand wie die Drückergarnituren aus Aluminium: Es muss immer wieder abgeschliffen werden, da die vielen Kinderfüße vor allem im Bereich zum Garten Spuren hinterlassen.