TEMPO! TEMPO!
HILFT ZEITMANAGEMENT GEGEN ZUNEHMENDEN DRUCK?
Der wirtschaftliche Druck steigt. Alles muss schnell gehen. Es muss mehr herausgeholt werden in weniger Zeit. Wer nachlässt, muss fürchten, entlassen zu werden. Was kann man tun?
Wir befinden uns auf der Beschleunigungsspur – zumindest die, die einen Job, bzw. Aufträge haben, denen allerdings das Wörtchen "noch" droht. Denn Arbeit wird auf immer weniger Schultern verteilt. Dafür muss sie effizient erledigt werden und darf nicht mehr soviel kosten. Angeheizt vom wirtschaftlichen Druck, dreht sich diese Spirale immer schneller.
Passend dazu gibt es seit einigen Jahren Seminare, die sich mit "Zeitmanagement" beschäftigen. Anfangs wollten in solchen Kursen überlastete Manager lernen, wie man noch mehr Arbeit in weniger Zeit bewältigen kann, was dem Sinn solcher Kurse oder Einzelberatungen widerspricht. Denn Überbelastung, das gilt es zu lernen, ist ineffizient. Das veranschaulicht Helmut Kolitzus in seinem Buch "Anti- Burnout-Erfolgsprogramm": "Bei bösartigem Stress geht es den Menschen häufig wie der Fliege, die immer wieder gegen die Scheibe donnert und das offene Fenster direkt daneben nicht wahrnimmt." So streite man sich beispielsweise mit dem Chef, einem Kollegen oder dem Kunden immer wieder über die gleiche Sache, statt eine kreative Lösung zu suchen. Die finde man jedoch meist nur, wenn man den nötigen Abstand hat.
Wer seine Zeit effektiver nutzen will, muss zunächst eine ehrliche Bestandsaufnahme machen, erläutert Christa Stadler, die Kurse und Beratungen zum Zeitmanagement anbietet. Das bedeutet, schriftlich Der wirtschaftliche Druck steigt. Alles muss schnell gehen. Es muss mehr herausgeholt werden in weniger Zeit. Wer nachlässt, muss fürchten, entlassen zu werden. Was kann man tun? festzuhalten, womit man wieviel seiner Arbeitszeit verbringt. Dies wirklich zu tun sei etwas ganz anderes, als mal einen Moment lang darüber nachzudenken. "Die meisten Menschen meinen, sie wüssten genau, womit sie ihre Arbeitszeit verbringen, wenn sie die Bilanz allerdings schwarz auf weiß sehen, erleben sie einige Überraschungen," ist die Erfahrung von Christa Stadler.
Beim Zeitmanagement geht es nicht vorrangig um Stundenaufteilung, es geht häufig ans "Eingemachte". Denn manche Tätigkeiten, die man jahrelang selbstverständlich erledigt hat, stehen jetzt auf dem Prüfstand. A-Aufgaben, das sind die, die man nicht deligieren kann. Die Entscheidung, wohin sich das Architekturbüro inhaltlich entwickeln soll – das können Geschäftsführer niemand anderem überlassen. B-Aufgaben sind teilweise zu deligieren, C-Aufgaben immer. Aber auch da wird es manchmal schon schwierig mit der eigenen Einschätzung: Gibt es womöglich mehr, das man deligieren kann, als man normalerweise annimmt? Muss man "alles selbst machen"?
Strategie des Militärs: Was ist wirklich wichtig?
Christa Stadler orientiert sich in ihren Kursen an dem Prinzip von General Eisenhower, der erkannte, dass eine Armee nicht überall sein kann und deshalb die Aufgaben unterschied in "wichtig" und "dringlich". Dringliche Aufgaben haben mit Krisen zu tun, mit Unvorhergesehenem, sie setzen unter Termindruck und Stress. Dringliches entsteht häufig dadurch, dass jemand anderes etwas von uns will – wir reagieren. Wichtig dagegen sind Ziele, Ergebnisse, Zukunft und Werte. Werden die wichtigen Aufgaben – bei denen wir meist von uns aus handeln – nicht erledigt, drohen langfristig negative Konsequenzen. Zu lernen ist deshalb, Wichtiges frühzeitig zu planen und auch bei scheinbar Dringlichem "Nein" sagen zu können. Das muss man heutzutage neu lernen. Denn möglichst viel auf einmal zu erle- HILFT ZEITMANAGEMENT GEGEN ZUNEHMENDEN DRUCK? [Lesedauer: 3 min.] digen ist typisches Merkmal unserer Zeit. E-Mail und Handy machen permanent erreichbar, immer muss man reagieren – und zwar am besten sofort. Man bevorzugt das Hörbuch, denn so kann man nebenbei noch Möbel verschrauben oder mit dem Kind spielen. Folgerichtig nennt man die Aufgabe inzwischen "Work-Life-Balance": Es gilt, die Balance zwischen Arbeit und Leben zu finden statt immer mehr in das Zeitpensum hineinzupressen. Der Münchner Sozialwissenschaftler Prof. Karlheinz Geißler ortet gar einen neuen Sozialcharakter, den "Simultant", der alles zu jeder Zeit erledigen will, am besten gleichzeitig. Die Frage sei aber nicht, ob ein Mensch simultan handeln kann, sondern welche Tätigkeiten sich überhaupt miteinander vertragen. Autofahren und Telefonieren vertrage sich eben nicht, sondern erhöhe die Unfallgefahr. Die Lösung heißt für Geißler, wie für beinahe alle Zeitforscher: "Nein" sagen.
Mehr zum Zeitmanagement:
www.ChristaStadler.de
Lothar J. Seiwert "Das neue 1 x 1 des Zeitmanagements", Gräfe und Unzer Verlag
Werner Tiki Küstenmacher "Simplify your life", Campus Verlag
Sten Nadolny "Die Entdeckung der Langsamkeit", Piper Verlag





