WAS HAT SIE IN LETZER ZEIT BESONDERS BERÜHRT, ANDREAS HILD?
[Lesedauer: 4 min.]
Am Rande eines Symposiums zum Thema Architektur und Mediamarketing fand Andreas Hild Zeit für ein Gespräch mit BerührungsPUNKTE. Wir wollten wissen, welche Rolle Zeit, Freizeit und Tradition in seinem Berufsleben spielen. Schade: Andreas Hild gefiel unsere Hauptfrage gar nicht.
ANDREAS HILD
Das Münchner Architekturbüro Hild und K widmet sich gerne Dingen, die zur Zeit nicht beliebt sind: Ornamenten zum Beispiel oder Materialien wie Thermohaut.
BerührungsPUNKTE: Haben Architekten nur für Ihren Beruf Zeit?
Andreas Hild: Interessante Frage. Vielleicht sollte man dies nicht mich, sondern die Menschen in meinem Umfeld fragen. Ich habe eher eine Buchhaltermentalität, ich beginne morgens um 8 Uhr, arbeite bis ungefähr 19 Uhr und halte diese Zeiten relativ strikt ein. Wettbewerbsstress mit durchgemachten Nächten und Arbeit am Samstag und Sonntag gibt es bei uns vergleichsweise wenig. Insofern habe ich eine ziemlich konstante Arbeitszeit, und ich meine, relativ viel Zeit neben der Architektur zu haben. Alles andere sind Ausnahmefälle. Es stimmt jedenfalls nicht, dass ich keine Zeit habe. Ich habe vielleicht einen bisschen längeren Arbeitstag als andere Menschen, aber es gibt sicher viele die mehr Stunden im Büro zubringen: um sieben Uhr bin ich beim Abendessen.
BerührungsPUNKTE: Schön. Ihre Mitarbeiter auch?
Andreas Hild: Ja meine Mitarbeiter auch. Das liegt an unserer Struktur. Wir sind da relativ professionell aufgestellt, was das Einschätzen von Arbeitsprozessen und Zeitbedarf angeht. Wir setzen entsprechende Controlling-Instrumente ein und all diese Dinge, sodass unsere Mitarbeiter ein geregeltes Wochenende und eine geregelte Arbeitszeit haben. Das finde ich wichtig, weil Stress auf Dauer die Leistungskraft nicht erhält. Ich muss das ja auch noch mindestens 30 Jahre machen. Insofern muss man schauen, dass man den Spurt nicht zu früh anzieht.
BerührungsPUNKTE: Liegt die gute Struktur bei Ihnen an der Größe des Büros?
Andreas Hild: Vermutlich ja, wobei wir so groß gar nicht sind. Ich habe 12 Mitarbeiter. Ich denke, es liegt auch an unseren Arbeitsfeldern. Ich will auch nicht sagen, dass es noch nie vorgekommen ist, dass einer mal sonntags arbeiten musste, aber es ist nicht unser Standard.
BerührungsPUNKTE: Was bedeutet Ihnen Freizeit?
Andreas Hild: Ach, eigentlich bin ich ein wahnsinnig fauler Mensch, der am liebsten auf dem Sofa liegt und seinen Kindern beim Spielen zuschaut.
BerührungsPUNKTE: Sie haben 5 Kinder, die fordern sicher auch eine Menge Zeit von Ihnen?
Andreas Hild: Ja natürlich, das hilft aber auch, sich in bestimmten Bereichen zu fokussieren. Dadurch laufen etliche Dinge geregelter ab. Das hilft sowohl dem Ergebnis – meine ich zumindest – als auch der Person, die das Ergebnis erzeugen muss. Ich bin kein Mensch, der an einen kreativen Geistesblitz glaubt, oder an die Inspiration, oder die Muse, die einen küsst. Ich glaube eher, dass ständiges Arbeiten und Forschen an einer Sache zum Erfolg führt. Erfolg ist das Ergebnis einer logischen, strukturierten sinnvollen Vorgangsweise.
BerührungsPUNKTE: Sie schenken dem Marketing mehr Zeit und damit Geld als den Teilnahmen an Wettbewerben – warum?
Andreas Hild: Bei uns hat ein Umschichtungsprozess stattgefunden. Wir nehmen an signifikant weniger Wettbewerben teil als die meisten Kollegen mit ähnlichem Bekanntheitsgrad. Wir versuchen vorwiegend Wettbewerbe zu machen, bei denen wir unsere Arbeit persönlich vorstellen können. Wir denken, dass unsere Architektur zumindest im Entwurfsstadium erklärungsbedürftig ist und schon deshalb versuchen wir, uns auch verbal vorstellen zu können. Weil wir an sich glauben, dass es nicht nur eine Produktqualität von Architektur gibt, sondern dass es auch eine Prozessqualität gibt – zu der die Menschen gehören, die an dem Prozess beteiligt sind. Unsere Häuser sind so, wie sie sind, weil sie von diesen Leuten gemacht wurden. Das kauft der Bauherr mit und das möchten wir auch gerne als Summe darstellen.
BerührungsPUNKTE: Als Sie 1995 das ornamentreiche Wartehäuschen aufstellten, wurde dies nicht gerade positiv aufgenommen...
Andreas Hild: Oh, von den Menschen in Landshut wurde das Häuschen durchaus am nächsten Tag positiv wahrgenommen, der Stadtbaurat hat sich sogar bei uns bedankt, weil er noch nie so eine positive Presse hatte und über das Häuschen stand eine ganze Seite in einer Landshuter Tageszeitung.
BerührungsPUNKTE: Aber bis die Architekturmedien positiv reagiert haben, vergingen Jahre...
Andreas Hild: Ja, die Fachmedien haben sich an das Ornament-Thema zu der Zeit lange nicht heran getraut. Sie stellten fest, dass etwas anders ist und dass es irgendwie komisch ist, aber sie publizierten es zunächst nicht. Es hat fast zwei Jahre gedauert, bis man zum ersten Mal darüber in einem Fachmedium lesen konnte. Dann allerdings wurde sehr oft darüber geschrieben sogar in Publikumszeitschriften wie dem "Spiegel" – allerdings rund zehn Jahre nach dem Aufbau des Wartehäuschens.
BerührungsPUNKTE: Also braucht man Geduld als Architekt, wenn man etwas anders machen möchte? Andreas Hild: Die Vermarktung einer Marke, die immer gleich ausschaut, ist einfacher, als wenn man jedes Mal ein anderes Haus baut. Andererseits kann ich unsere Ideen nicht nach der Vermarktbarkeit aussuchen oder platzieren. Unsere Projekte werden mit dem Bauherrn zusammen entwickelt, aus einer bestimmten Situation. Deswegen sehen die Sachen auch so unterschiedlich aus.
BerührungsPUNKTE: Spielt Tradition bei ihrer Architektur eine Rolle?
Andreas Hild: Schon, aber nicht vordergründig als Sehnsucht nach einer besseren Zeit. Das Vokabular der architektonischen Formen – theoretisch gesehen aus allen Zeiten – besteht als verfügbares System, mit dem wir unsere Aussagen treffen können. Das Wesen ist der Inhalt und wir können wählen, welche Elemente unserer Meinung nach den Inhalt am besten repräsentieren und transportieren. Es ist nicht die Frage danach, ob etwas alt oder neu ist, sondern ob ich es in diesem speziellen Fall für aussagekräftig halte.
BerührungsPUNKTE: Was hat Sie in letzter Zeit besonders berührt?
Andreas Hild: Ist das hier eine Homestory?


